Weniger Trauma, mehr Verbundenheit mit Ben Paul (#4)

Ben wurde schon vielfach bezeichnet: Education Punk, Bildungsrebell, Ausbrecher, Education Hacker… Ben hat mit seinem Blogprojekt Anti-Uni für viel Aufsehen gesorgt. Ich selbst habe einige Artikel von ihm gelesen, die mich zum Unternehmertum und Autorenleben inspirierten. Doch in meinem Interview geht es nicht darum, wie er ein Buch nach dem anderen verschlingt und sein eigenes Curriculum schafft. Es geht um Traumata, alten Schmerz, Bedürfnisse, tiefe Verbindung, positive Maskulinität, wieder Trauma.

Mit Ben bin ich gewohnt tiefe Gespräche zu führen. Geerdete, ruhige Gespräche. Ehrliche Gespräche. Selbst wenn zwei Mikros dazwischen stehen und hunderte zuhören.

Wir hatten sogar einen interessanten Moment, indem ich Bens Energie sehr nah wahrnahm. Wir haben danach über diesen Moment gesprochen und wären eigentlich beide gerne tiefer eingestiegen, aber ich wollte dann doch das interessante Gespräch fortführen.

Hört hier rein.

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Bücher, über die wir sprachen

Weitere Gedanken zu dem Interview mit Ben

Einige Tage nach dem Interview bleiben mir ein paar Punkte hängen, über die ich selbst noch mehr Klarheit wünsche.

Erstens, die Antwort von Ben auf die Frage, welche gefährlichen oder irreführenden Ratschläge es zum Thema Traumaheilung gibt. Er sagte, dass in der spirituellen Community leicht gesagt wird, dass „eh alles eins“ ist und daher Trennungsschmerzen usw. Illusion sind. Ich habe mit Ben über diesen Punkt schon vor 3 Jahren in seiner Küche in Berlin gesprochen.

„Wie können wir Trennungsschmerz oder ein Mangel an Liebe fühlen, wenn unsere wahre Natur mehr einem Feld, als ein Objekt gleicht?“.

So wie ich Ben verstanden habe, kann man diese Fragen auf verschiedene Ebenen beantworten. Jedoch sollte man nicht den Fehler begehen einfach nur zu sagen, dass man eins ist, ohne den spirituellen Weg dorthin wirklich beschritten zu haben.

Es wird sonst nur eine Ausrede nicht nach Innen zu schauen und sich seinem Schmerz zu stellen. Doch er lehnt auch die Vorstellung, der Nondualität nicht ab. Er sagt nicht „Das ist alles quatsch mit der Einheit. Wir alle erfahren Trennungsschmerz und Traumata und diese sollten wir uns anschauen. Alles andere sind nur nette Fantasien“.

Er lässt die Tür offen für die klare Erkenntnis der Einheit und damit Lösung des Leids.

In dem Interview mache ich noch ein Joke über jene, die einfach Eckhart Tolle gelesen haben und daraufhin keine Schattenarbeit betreiben. Eventuell war ich zu müde oder unaufmerksam, um nochmal in diesen wichtigen Punkt einzusteigen.

Denn ich glaube, dass deine wahre Natur die der Aufmerksamkeit ist. Der ständige Beobachter hinter allen geistigen Bewegungen. Frei von Taten, frei von Gedanken, frei von Karma.

Aus dieser Sicht gibt es keinen Grund zur Traumaarbeit. Vielmehr verstärkt es die Trennung, weil in ein „Ich“ investiert wird, dass es nicht gibt. Wenn Traumaarbeit – wie bei Ben – zu mehr Verbundenheit zu anderen Menschen führt ist dies natürlich großartig.

Ebenfalls, um mehr nach innen zu schauen und seine eigenen unbewussten Muster zu erkennen.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Wir sprechen in dem Interview z. B. über Persönlichkeitsanteile, die unterschiedlich alt sind. Das ist eine wichtige Erkenntnis, um zu erkennen, was in einem wirkt und in Wahrheit Entscheidungen trifft (mit diesen arbeite ich übrigens auch in meinem Online-Kurs, denn nur im Einklang mit diesen können wir unsere Wünsche erreichen).

Carl Jung nennt jene Persönlichkeitsanteile Archetypen. Jene zeigen sich in den Geschichten der Menschen vielfältig. Ein tolles Buch für Männer ist „König, Krieger, Magier, Liebhaber: Initiation in das wahre männliche Selbst durch kraftvolle Archetypen“ von Robert Moore.

Das große Paradox aller spirituellen Bemühungen, aller Heilungsversuche, aller Schattenarbeit ist, dass man am Ende zu dem Schluss kommt, dass es kein „Ich“ gibt, das geheilt werden kann. Es gibt kein „Ich“, das erleuchtet werden kann. Doch jene Erkenntnis bedarf oft hunderte bis tausende Stunden an spiritueller Praxis.

All dies habe ich leider nicht mit Ben besprochen und ich glaube, er hätte einige gute Einwände oder Gedanken dazu.

Der zweite Punkt, der mir bei vielen Menschen auffällt, die intensiv Traumaheilung und Schattenarbeit ist folgender: viele von ihnen machen keinen Sport, haben keine Ziele und verdienen wenig Geld.

Ich fragte Ben, woran wir erkennen können, dass wir ein unverarbeitetes Trauma haben. Er meinte, wenn manche Lebensbereiche nicht im Fluss sind. Zum Beispiel, wenn die siebte Beziehung scheitert.

Mein Geist ist dabei sehr pragmatisch. Sagen wir du bist ein Mann und du erfährst zu wenig Intimität. Es fällt dir extrem schwer Frauen anzusprechen. Liegt das Problem daran, dass dir deine Mutter oder Vater zu wenig Liebe gaben? Lag es an einer traumatischen Geburt?

Oder daran, dass der Umgang mit Frauen eine Fähigkeit, wie jede andere ist, die trainiert werden muss? Übung macht den Meister und du ziehst dich wahrscheinlich – wie viele von uns – lieber zurück und hoffst auf die Eine, die sich unsterblich in dich verlieben wird. Schlicht, „weil du so bist, wie du bist“.

Ich habe ein Jahr bei beducated gearbeitet und mich täglich mit Tantra, Verführung und bewusster Sexualität beschäftigt. Dies hat mir geholfen, mit Frauen umzugehen – auch ohne Reisen in vergangene Leben oder Traumaheilungen.

Ich möchte auf einen Punkt aufmerksam machen: Schattenarbeit kann paradoxerweise als Schutzschild dienen, um sich nicht von der Arbeit zu drücken, die wirklich schmerzhaft ist – z. B. Frauen ansprechen und oft „Nein“ zu hören.

Das gleiche Spiel gilt bei Geld verdienen und einen starken Körper zu formen. Ich bin überzeugt, dass viele spirituelle Sucher ihr Glück und Selbstvertrauen in gesunder Ernährung, Sport und permanenter Weiterbildung finden.

Daher: täglich lesen, täglich Sport machen und viel Gemüse essen.

Bei aller innerer Arbeit dürfen wir nie die Basics vernachlässigen. Jene Dinge, die nicht cool klingen, aber essentiell für ein selbstbestimmtes Leben sind.

„Bis Sie das Unbewusste bewusst machen, wird es Ihr Leben lenken, und Sie werden es Schicksal nennen“.

– Carl Gustav Jung

„Bis Sie das Unbewusste bewusst machen, wird es Ihr Leben lenken, und Sie werden es Schicksal nennen“.

– Carl Gustav Jung

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